Stärken Sie Ihr Unternehmen durch Belegschaftseigentum
Der EuroESOP schafft für Mitarbeitende eine niedrigschwellige Möglichkeit, Miteigentümer:innen des Unternehmens zu werden. Das trägt wesentlich zur langfristigen Stabilität und zum Wachstum des Unternehmens bei. In den USA sind ESOPs (Employee Stock Ownership Plan) seit Jahrzehnten ein Erfolgsmodell.
Was ist der EuroESOP?
Der EuroESOP ist ein modernes Modell zur Einführung und nachhaltigen Verankerung von Belegschaftseigentum in Unternehmen. Es basiert auf international bewährten Methoden aus westlichen Volkswirtschaften, insbesondere aus den USA und Großbritannien. Der EuroESOP wurde von unserem slowenischen Partnerinstitut entwickelt, dem Institute for Economic Democracy (IED) . Die slowenische Regierung hat mit Unterstützung des IED ein ESOP-Gesetz ausgearbeitet, durch das Verkäufe an die Belegschaft steuerlich begünstigt werden. Im Herbst soll das Gesetz verabschiedet werden. Das IfU überträgt und adaptiert das Modell gezielt auf die Besonderheiten des deutschen Unternehmensumfelds.
Der EuroESOP baut auf jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung und praktischer Erfahrung im Bereich des Belegschaftseigentums auf. Das Modell vereint fundierte Theorie mit internationalen Best-Practices und behebt Schwächen bestehender Ansätze. Gestützt auf wissenschaftliche Analysen und praktische Erkenntnisse wurden bewährte Methoden weiterentwickelt und durch gezielte Innovationen ergänzt, um spezifische Nachteile internationaler Modelle zu überwinden.
Dank seiner Innovativität stößt der EuroESOP weltweit auf großes Interesse. Das Modell wurde inzwischen in mehr als 20 Ländern vorgestellt, darunter Großbritannien, die USA, Kanada, Frankreich, Belgien, Dänemark, Spanien, Italien, Peru, Mexiko, Argentinien, Kolumbien, Südafrika und viele mehr.
Die grundlegenden Eigenschaften des EuroESOP
- Belegschaftseigentum durch eine Zweckgesellschaft
Das Unternehmenseigentum ist in einer separaten Zweckgesellschaft verankert, einem sogenannten ESOP, die die Anteile am operativen Unternehmen für die Beschäftigten hält. Dies erlaubt insbesondere einen schrittweisen Verkauf an die Beschäftigten. - Übernahme auf Basis der zukünftigen Erträge
Der Kauf des Unternehmens ist kreditgestützt (leveraged buyout) und wird durch den freien Cashflow des operativen Unternehmens finanziert, sodass sich alle Mitarbeitenden am Unternehmen beteiligen können, unabhängig von ihrem Einkommen oder Vermögen. - Recht auf den Kapitalwert
Mitarbeitende haben Anspruch auf den anteiligen Kapitalwert des Unternehmens durch ihre individuellen Kapital¬konten, was dazu motiviert, langfristig in das Unternehmen zu investieren. - Nachhaltiges Belegschaftseigentum
Mit dem Eintritt ins Unternehmen werden Mitarbeitende zu Miteigentümer:innen, beim Austritt endet die Beteiligung am ESOP.
Phasen des EuroESOP-Modells
Phase 1 – Die Übertragung des Eigentums
Das Unternehmen wird kreditfinanziert an die Beschäftigten verkauft – entweder mit einem Bankkredit oder einem Verkäuferdarlehen. Der Kredit wird aus dem laufenden Gewinn des operativen Unternehmens zurückgezahlt. So geht das Eigentum Schritt für Schritt auf die Mitarbeitenden über.
Die Beschäftigten gründen ein ESOP. Als Rechtsform des ESOP empfiehlt sich die Genossenschaft. Das ESOP ist damit als Genossenschaftsholding organisiert und bildet gemeinsam mit dem operativen Unternehmen zwei separate Einheiten. Dadurch kann das operative Unternehmen wie gewohnt weiterarbeiten, ohne dass es zu abrupten Veränderungen der Rechtsform kommt.
Die Doppelstruktur aus ESOP und operativem Unternehmen ermöglicht insbesondere einen schrittweisen Verkauf an die Beschäftigten. Manche Eigentümer:innen entscheiden sich beispielsweise dafür, zunächst einen Minderheitsanteil von 30 bis 49 % an das ESOP zu übertragen und den verbleibenden Anteil zu einem späteren Zeitpunkt abzugeben. So können Eigentümer:innen den Übergabeprozess aktiv begleiten und das Unternehmen währenddessen weiterhin führen.
Die Bewertung des operativen Unternehmens bzw. seiner Anteile spielt eine zentrale Rolle im Übernahmeprozess. Sie bestimmt, wie viel Gewinn das Unternehmen ausschütten muss, um den Kaufpreis vollständig zu tilgen. Ist der Wert zu hoch oder der Rückzahlungszeitraum zu kurz, kann das Unternehmen dadurch finanziell ausgehöhlt werden .
Für die meisten Unternehmen empfehlen wir einen Verkauf auf Basis des Buchwerts des Eigenkapitals, wobei dieser oft unter dem Marktwert liegt.
Warum sollte ein/e Eigentümer:in einen geringeren Preis akzeptieren als den Maximalpreis, den er oder sie am Markt erzielen könnte – etwa durch den Verkauf an einen großen Mitbewerber oder Investor:innen?
Dafür sprechen mehrere gute Gründe – ein ESOP:
- erhält das Lebenswerk sowie die Unternehmenskultur und die übergreifende Vision
- würdigt das Engagement des Teams, das den Unternehmenserfolg mit ermöglicht hat
- sichert Arbeitsplätze vor Ort und stärkt die wirtschaftliche Stabilität der Region
- erhöht nachweislich die Produktivität und Resilienz des Unternehmens
Phase 2 – Aufrechterhaltung des Eigentums
Im selben Maß, wie das ESOP seine Schulden begleicht, beginnen die Mitarbeitenden, Vermögen über ihre individuellen Kapitalkonten aufzubauen. Zudem können die Überschüsse dafür verwendet werden, um Boni auszuzahlen.
Die Hauptversammlung des operativen Unternehmens berücksichtigt bei der Gewinnverteilung die vertraglich vereinbarten Verpflichtungen zur Finanzierung der ESOP-Übernahme. Diese ist jedoch letztlich durch die Verfügbarkeit des Cashflows begrenzt – wenn kein freier Gewinn vorhanden ist, wird die Finanzierung ausgesetzt. Das ESOP verwendet das Geld in erster Linie zur Begleichung seiner Verbindlichkeiten gegenüber dem oder der bisherigen Eigentümer:in oder einem anderen Kreditgeber. Verfügt das ESOP über einen Überschuss, kann dieser auch für Bonuszahlungen oder auch für den Erwerb zusätzlicher Unternehmensanteile verwendet werden.
Dabei erhöht der jährlich zurückgezahlte Schuldenbetrag direkt den Vermögensanteil der ESOP-Mitarbeitenden: Jede:r verfügt über ein individuelles Kapitalkonto, das im gleichen Umfang wächst, wie die Schulden getilgt werden.
Die Verteilungsschlüssel zwischen den Eigentumskonten sind in den internen Regelungen des ESOP festgelegt. Diese können egalitär, entsprechend der Einkommensunterschiede oder unter Berücksichtigung der Dauer der Betriebszugehörigkeit gestaltet sein. Sobald die Schulden gegenüber den Kreditgeber:innen vollständig durch das ESOP getilgt wurden, ist der gesamte Eigentumswert unter den Mitarbeitenden verteilt. An diesem Punkt tritt Phase 3 ein.
Phase 3 – Langfristige Fortführung
In der dritten Phase, nach der vollständigen Schuldentilgung, wird der Cashflow des ESOP so verteilt, dass das Eigentum am Unternehmen unter der aktuellen Generation von Mitarbeitenden aufrechterhalten wird.
Am Ende von Phase 2 besitzt jede:r Mitarbeitende ein eigenes Kapitalkonto, in dem der Anteil am Unternehmenswert repräsentiert ist. Über diese Vermögenswerte können die Mitarbeitenden jedoch nicht nach Gutdünken verfügen, vielmehr werden diese schrittweise und entsprechend der Liquidität des Unternehmens ausgezahlt.
Jedes Jahr entscheidet die Hauptversammlung des Unternehmens darüber, wie viel des freien Cashflows dem ESOP zugewiesen wird. Die Auszahlung der Werte auf den Kapitalkonten erfolgt nach dem FIFO-Prinzip („first-in, first-out“): Mitarbeitende mit den ältesten Zuteilungen auf den Kapitalkonten werden zuerst ausgezahlt.
Die in dieser Phase ausgezahlten Werte werden unter allen aktiven Mitgliedern des ESOP verteilt, das heißt, auch neue Mitarbeitende, die noch nicht lange Teil des Unternehmens sind , profitieren vom aufgebauten Wert.
Wenn ein oder eine Mitarbeitende:r das Unternehmen verlässt, entstehen daraus keine Vorrangsrechte; gemäß des FIFO-Prinzips ist das Alter der Kapitalkonten entscheidend. Die ältesten Guthaben werden zuerst ausgezahlt, unabhängig davon, ob eine Person im Unternehmen verlässt oder bleibt.
Dieses System dient wesentlich dem Zweck, das Eigentum der Belegschaft am Unternehmen langfristig über mehrere Generationen hinweg aufrecht erhalten werden kann , ohne durch gefährdet Mitarbeiterfluktuation gefährdet zu werden.
Vorteile des EuroESOP
Bessere Unternehmensleistung
Richtig umgesetzt, führt Belegschaftseigentum zu besseren Geschäftsergebnissen
Die jahrzehntelange Erfahrung zeigt, dass Unternehmen in Belegschaftseigentum schneller wachsen als vergleichbare Unternehmen, in Krisenzeiten stabiler sind und eine weitaus geringere Fluktuation sowie ein stärkeres Engagement ihrer Beschäftigten aufweisen. Am erfolgreichsten sind jene Unternehmen, die den Übergang zum Belegschaftseigentum konsequent mit allen wesentlichen Unterstützungsmaßnahmen gestalten.
Erstens müssen die Mitarbeitenden ihre neue Rolle als Eigentümer erlernen. Das erfordert den Erwerb von Wirtschaftskompetenzen und das Hineinwachsen in eine Kultur der Mitverantwortung.
Zweitens müssen die Mitarbeitenden über die wichtigsten Informationen verfügen – durch klar aufbereitete Geschäftszahlen, die ihren Beitrag zum Unternehmenserfolgs nachvollziehbar machen.
Drittens müssen Mitarbeitende die Möglichkeit zur Mitbestimmung haben, indem aktive Vorschläge zur Optimierung von Arbeitsprozessen gefördert werden.
Und viertens müssen sie von guten Entscheidungen profitieren; der geschaffene Mehrwert sollte unter allen, die für den Erfolg verantwortlich sind, aufgeteilt werden.
Arbeitsplätze erhalten
Belegschaftseigentum sichert Arbeitsplätze in der Gemeinschaft vor Ort
In den kommenden Jahren werden Hundertausende Unternehmer:innen in Deutschland eine Nachfolgelösung für ihre Firmen suchen. Viele von ihnen verfügen jedoch über keinen konkreten Plan. Welche Richtung werden sie einschlagen?
Das EuroESOP-Modell ermöglicht den schrittweisen Aufkauf des Unternehmens durch die Mitarbeitenden, finanziert aus den künftigen Gewinnen des Betriebs. Damit können die Beschäftigten das Unternehmen auf Basis ihrer eigenen produktiven Leistungen übernehmen – ohne unerschwingliche Summen aus Vermögen zahlen zu müssen, über das sie meist gar nicht verfügen.
Belegschaftseigentum sichert langfristig Arbeitsplätze, im Gegensatz zu Übernahmen durch Private-Equity-Firmen, die häufig zu drastischem Stellenabbau oder erheblicher Mitarbeiterfluktuation führen. Zudem kann die Übernahme durch die Belegschaft das Worst-Case-Szenario verhindern: dass das eigene Unternehmen überhaupt keine/n Käufer:in findet und deshalb schließen muss, wodurch alle Arbeitsplätze verloren gehen.
Wer als Unternehmer:in den Verkauf an die eigene Belegschaft wählt, entscheidet sich zugleich dafür, das eigene Vermächtnis in der Heimatregion zu bewahren, das Unternehmen und seine Kultur zu erhalten sowie die Arbeitsplätze jener zu sichern, die den gemeinsamen Erfolg möglich gemacht haben.
Alles sitzen im selben Boot
Wenn das gesamte Team in dieselbe Richtung rudert, lassen sich herausragende Geschäftsergebnisse erzielen
Der EuroESOP fördert die breite Beteiligung möglichst aller Mitarbeitenden am Belegschaftseigentum. So verwirklichen wir unsere Vision, dass alle im selben Boot sitzen – wenn das gesamte Team in dieselbe Richtung rudert, schnell und im Einklang, lassen sich herausragende Geschäftsergebnisse erzielen, die allen, die für diese Ergebnisse verantwortlich sind, wirtschaftliche Vorteile bringen. Der erfolgreiche Übergang zum Belegschaftseigentum gelingt vor allem dann, wenn sich alle aktiv einbringen können – durch eigene Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsprozesse und durch die gemeinsame Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens.
ESOPs weltweit
Das ESOP-Modell hat eine lange Tradition in den USA, wo es seit 1974 gesetzlich unterstützt wird. In den USA beschäftigen ESOP-Unternehmen 14,7 Millionen Menschen, was 10 % der Beschäftigten im privaten Sektor entspricht. Jährlich stellen in Amerika rund 250 Unternehmen auf das ESOP-Modell um.
Auch im Vereinigten Königreich wurde ein ESOP-basiertes Modell 2014 offiziell eingeführt. Im Jahr 2023 war der Verkauf an die Belegschaft mittels des ESOP-Modells die zweithäufigste Form der Unternehmensnachfolge im Vereinigten Königreich. Heute gibt es dort rund 2.500 ESOP-Unternehmen, sogenannte Employee Ownership Trusts, mit rund 250.000 Beschäftigten.
Im Jahr 2024 wurde das ESOP-Modell von der kanadischen Regierung unterstützt, und im selben Jahr beschloss die Regierung der Republik Slowenien die Ausarbeitung eines slowenischen ESOP-Gesetzes.